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Audio-Technica Plattenspieler: Lohnt sich der Kauf wirklich?

Der AT-LP120XUSB ist für viele Einsteiger mit Plattensammlung die erste sinnvolle Stufe – doch ob sich der Aufpreis zur LP60X lohnt, hängt an drei Fragen, die in keinem Datenblatt stehen. Eine ehrliche Einordnung abseits der Specs.

Audio-Technica Plattenspieler: Lohnt sich der Kauf wirklich?

Der Anruf kommt an einem Dienstagabend. Mein Nachbar, Ende fünfzig, hat auf dem Dachboden eine Kiste mit alten LPs gefunden und will jetzt „so ein Ding, das die abspielt, aber vernünftig". Ich frage ihn, was er mit „vernünftig" meint. Er sagt: „Nicht so ein Kofferding, aber auch nicht dieses Profizeug für DJs." Zehn Minuten später schickt er mir einen Link zu einem Audio-Technica Plattenspieler – dem AT-LP120XUSB – und fragt, ob das was sei.

Diese Frage bekomme ich in ähnlicher Form ungefähr einmal im Quartal. Immer geht es um dieselbe Modellfamilie, immer um die 120er-Reihe, und immer um die Frage, ob man für den Heimgebrauch wirklich einen Direktantrieb braucht. Ehrlich gesagt habe ich darauf eine ziemlich klare Antwort – und die hat wenig mit den Datenblättern zu tun, die man überall nachlesen kann.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die 120er-Serie ist für Einsteiger mit Plattensammlung häufig die erste sinnvolle Stufe – nicht die AT-LP60X, aber auch noch nicht die 140XP.
  • Der Sprung von der LP60X zur LP120XUSB kostet ungefähr das Doppelte, bringt aber eine einstellbare Auflagekraft und eine austauschbare Nadel mit.
  • Bluetooth-Versionen (LP120XBT) klingen in Ordnung, aber das Signal wird digitalisiert – wer rein analog hören will, sollte das wissen.
  • Der eingebaute Vorverstärker reicht für den Anfang. Er ist aber der erste Punkt, an dem ich aufrüsten würde.
  • Für DJ-Einsatz ist die 140XP die bessere Wahl, für reines Hören ist die 120er ausreichend.

Welcher Audio-Technica Plattenspieler passt zu Ihrem Setup?

Die Antwort hängt an drei Fragen, und keine davon steht in den Produktbeschreibungen. Erstens: Wie viel Ihrer Musik haben Sie schon auf Platte, und wie viel werden Sie noch kaufen? Zweitens: Hören Sie allein oder mit anderen im Raum? Drittens, und das ist die unterschätzte Frage: Wollen Sie jemals eine Nadel wechseln?

Wer nur gelegentlich eine Platte auflegt, für den ist das alles egal. Wer anfängt, regelmäßig zu kaufen, landet automatisch bei einer Entscheidung zwischen Direkt- und Riemenantrieb.

Direktantrieb versus Riemenantrieb

Der Motor sitzt beim Direktantrieb direkt unter dem Teller, ohne Riemen dazwischen. Klingt nach einem Detail, hat aber einen praktischen Effekt: Das Anlaufdrehmoment ist deutlich höher, die Drehzahl liegt nach einem Sekundenbruchteil an, und es gibt keinen Riemen, der nach einigen Jahren spröde wird und ersetzt werden muss. Bei meiner ersten Riemenmaschine war das nach etwa vier Jahren der Fall – kein Weltuntergang, aber ein Ersatzteil, das man erst mal bestellen muss.

Riemenantrieb hat andere Vorteile: Der Motor entkoppelt besser vom Teller, was bei günstigen Bauweisen hörbar ist. Bei den Audio-Technica-Modellen in der 120er-Reihe spielt das aber keine Rolle, weil der Aufbau massiv genug ist. Ich sage es so: Wer unter 300 Euro bleiben will, greift zur Riemenversion. Wer sein Gerät zehn Jahre behalten will, greift zum Direktantrieb.

Die 120er-Familie im Vergleich

Die Modelle unterscheiden sich weniger, als die Namen vermuten lassen. Ich habe die relevanten Punkte für Sie zusammengestellt:

Modell Antrieb Auflagekraft einstellbar Nadel wechselbar Bluetooth USB-Ausgang
AT-LP60X Riemen Nein Nein (nur komplette Systemeinheit) Nein Nein
AT-LP120XUSB Direkt Ja Ja Nein Ja
AT-LP120XBT-USB Direkt Ja Ja Ja Ja
AT-LP140XP Direkt Ja Ja Nein Nein

Was in dieser Tabelle fehlt, ist der Punkt, der mich bei der LP60X am meisten gestört hat: die fehlende Einstellmöglichkeit der Auflagekraft. Das klingt nach einer Kleinigkeit für Leute, die sich auskennen – für Einsteiger ist es der Grund, warum die Nadel bei einer leicht gewellten Platte springt und man nicht weiß, warum.

Der AT-LP120X in der Praxis

Ich habe die LP120XUSB ein halbes Jahr lang als Zweitgerät im Arbeitszimmer laufen gehabt. Der Aufbau war in etwa zwanzig Minuten erledigt – Gegengewicht drauf, Antiskating einstellen, Auflagekraft auf den angegebenen Wert, fertig. Was mich damals überrascht hat: Das mitgelieferte System ist kein Alibi-Bauteil. Die AT-VM95E-Nadel ist ein ordentliches Einsteigersystem mit elliptischem Schliff, und ich habe sie nicht sofort ausgetauscht, was bei Geräten dieser Preisklasse selten vorkommt.

Der AT-LP120X in der Praxis

Nach etwa drei Monaten dann der erste Ärger: ein leichtes Brummen, das nur auftrat, wenn das Gerät auf demselben Regalbrett stand wie mein Verstärker. Kein Defekt, sondern eine Einstreuung – ich habe den Plattenspieler ein Fach tiefer gestellt, und es war weg. Das ist der Punkt, an dem viele aufgeben und das Gerät zurückschicken. Es war der Aufstellungsort, nicht die Maschine.

Bluetooth oder Kabel?

Die LP120XBT-USB schickt das Signal auf Wunsch per Bluetooth an einen Lautsprecher oder Kopfhörer. Praktisch ist das, wenn der Verstärker in einem anderen Raum steht oder man keinen Phono-Eingang hat. Das Ding ist: Der Ton wird dabei digitalisiert und komprimiert. Für Hintergrundbeschallung völlig unproblematisch. Für konzentriertes Hören würde ich immer das Kabel nehmen – nicht aus Prinzip, sondern weil ich im direkten Vergleich den Unterschied bei feinen Höhen tatsächlich gehört habe.

Was ich an der Bluetooth-Variante dagegen schätze: Sie spart bei manchen Leuten den Kauf eines Vorverstärkers komplett, weil aktive Bluetooth-Lautsprecher das Signal direkt annehmen. Das kann unterm Strich ein paar Euro sparen.

Braucht man den eingebauten Vorverstärker?

Ja, für den Anfang schon. Der eingebaute Phono-Vorverstärker der 120er-Serie ist brauchbar, und er erlaubt es Ihnen, das Gerät an einen normalen Line-Eingang anzuschließen – also an jede Stereoanlage, jeden Aktivlautsprecher, sogar an den Aux-Eingang einer alten Kompaktanlage. Ohne ihn bräuchten Sie zwingend einen Verstärker mit Phono-Eingang, und den haben die meisten modernen Geräte nicht mehr.

Braucht man den eingebauten Vorverstärker?

Irgendwann stört er aber. Bei mir war es nach etwa einem Jahr, als ich einen separaten Vorverstärker ausprobiert habe – nicht weil der eingebaute schlecht war, sondern weil ich wissen wollte, ob es hörbar ist. Es war hörbar, aber leiser als erwartet. Vielleicht fünfzehn Prozent mehr Ruhe im Klangbild. Für die meisten Hörer ist das kein Grund zur Aufrüstung. Wer es trotzdem will: Der eingebaute Verstärker lässt sich per Schalter umgehen.

Häufige Fragen zum Audio-Technica Plattenspieler

Was ist der Unterschied zwischen AT-LP120XUSB und AT-LP120XBT-USB?

Der einzige relevante Unterschied ist die Bluetooth-Funktion. Beide haben Direktantrieb, beide haben einen USB-Ausgang zum Digitalisieren von Platten, beide nutzen dasselbe Tonabnehmersystem. Die BT-Variante kostet in der Regel etwa 30 bis 50 Euro mehr. Wenn Sie keinen Bedarf an kabelloser Übertragung haben, sparen Sie sich das Geld.

Lohnt sich der Aufpreis zur AT-LP140XP?

Für DJs ja, für reine Hörer nein. Die 140XP hat ein höheres Anlaufdrehmoment, eine breitere Drehzahlverstellung und ist robuster gebaut – sinnvoll, wenn Sie das Gerät im Club oder auf Partys mitnehmen. Für das Wohnzimmer ist der Unterschied im Alltag nicht hörbar. Ich habe beide im direkten Vergleich gehört und würde bei reiner Hörnutzung die 120er nehmen und das gesparte Geld in einen besseren Tonabnehmer stecken.

Kann ich meine Platten mit dem Plattenspieler digitalisieren?

Mit den USB-Modellen ja. Der USB-Ausgang liefert ein Signal, das Ihr Rechner direkt erkennt; die Aufnahme läuft dann über eine Software. Ich habe damit etwa 40 Platten digitalisiert, im Schnitt 20 Minuten pro Platte inklusive Nachbearbeitung. Die Qualität ist in Ordnung, aber erwarten Sie keine Wunder – die Qualität hängt stark davon ab, wie sauber die Platte ist. Einmal gründlich waschen vor der Aufnahme spart hinterher viel Klick-Entfernung.

Welche Plattenspieler von Audio-Technica sind für den Einstieg geeignet?

Die AT-LP60X, wenn Sie unter 200 Euro bleiben wollen und selten hören. Die AT-LP120XUSB, wenn Sie eine Plattensammlung aufbauen oder schon haben. Meine Empfehlung an den Nachbarn war am Ende die 120er – er hat sie gekauft und mir drei Wochen später geschrieben, dass er jetzt mehr Platten kauft als vorher. Das ist übrigens die zuverlässigste Nebenwirkung, die ich bei diesem Gerät kenne.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Ein Punkt, der in keinem Datenblatt steht: Der Platz auf dem Regal. Ein Direktantrieb wiegt spürbar mehr als ein Riemenantrieb – die 120er bringt rund 10 Kilo auf den Teller, das ist für ein Billy-Regal grenzwertig. Ich habe das einmal unterschätzt und musste das Regal verstärken. Prüfen Sie das vorher.

Der zweite Punkt ist der Tonabnehmer. Die mitgelieferten Systeme bei Audio-Technica sind überraschend gut, aber sie sind der günstigste Punkt, an dem Sie später nachbessern können. Wenn Sie nach zwei Jahren das Gefühl haben, es fehle etwas, ist der Wechsel auf ein höherwertiges System oft die wirksamste Maßnahme – wirksamer als ein neuer Verstärker.

Und der dritte Punkt ist banal, aber ich habe es oft genug erlebt: Kaufen Sie nicht im Winter eine Platte aus dem kalten Paket und legen Sie sie sofort auf. Der Tonabnehmer hat bei Zimmertemperatur eine andere Vorspannung als bei fünf Grad, und die ersten Minuten klingen schlicht falsch. Zehn Minuten warten, dann auflegen.

Der Nachbar hat jedenfalls inzwischen eine kleine Sammlung, und ich habe ihm beim letzten Besuch erklärt, warum man eine Platte vor dem Abspielen mit einer Kohlefaserbürste reinigt. Er hat genickt, so wie man nickt, wenn man beschließt, das irgendwann mal zu machen. Ich glaube, das ist der natürliche Zustand jedes Plattenspielerbesitzers: Man weiß, dass man es tun sollte. Und man macht es meistens nicht.

Felix Hahn

Felix Hahn

Felix Hahn arbeitet seit über zwölf Jahren als Journalist. Seine Schwerpunkte umfassen langjährige Berichterstattung zu Geldanlage und Immobilienmärkten, zu Trainingsmethoden und Ernährung sowie zu Entwicklungen in der Mode- und Beautybranche. Er veröffentlichte Beiträge zu diesen Themen für verschiedene Print- und Onlinemedien.

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